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Coronavirus in NRW: Hunderte in Quarantäne, Einkäufe vor Haustür abstellen - WELT

Coronavirus in NRW: Hunderte in Quarantäne, Einkäufe vor Haustür abstellen - WELT

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland weiter aus: In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sind insgesamt zehn Menschen positiv auf das Virus getestet worden. Vor dem Hintergrund der neuen Fälle sei „fraglich“, ob die bisherige Strategie der Behörden aufgehe – also das Virus einzugrenzen und die Infektionsketten zu unterbrechen, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn. Es habe sich gezeigt, dass die „Infektionsketten teilweise nicht nachvollziehbar sind“, so Spahn. „Das ist die neue Qualität.“ Er fügte hinzu: „Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Epidemie an Deutschland vorbeigeht, wird sich nicht ergeben.“

Die Bundesregierung hat einen Krisenstab gebildet. Es gehe vor allem darum, die Infektionsketten in und nach Deutschland zu unterbrechen, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer.

Wer sind die Patienten, und wie geht es ihnen?

Der Zustand des ersten Coronavirus-Patienten in Nordrhein-Westfalen ist weiter kritisch. Am Montag war der 47-Jährige mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung in einem Krankenhaus in Erkelenz im Kreis Heinsberg bei Aachen aufgenommen und auf der Intensivstation isoliert worden. In der Nacht zu Mittwoch wurde er ins Uniklinikum Düsseldorf gebracht. Der Mann leidet an einer Vorerkrankung.

Auch dessen 46-jährige Ehefrau ist infiziert. Sie sei Kindergärtnerin, sagte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Beide Patienten befänden sich in der Uniklinik Düsseldorf. Die beiden haben zwei schulpflichtige Kinder, die derzeit allerdings keine Symptome hätten, wie Laumann am Mittwoch in Düsseldorf sagte.

Die Infizierten hatten laut Landrat Stephan Pusch (CDU) in den vergangenen 10 bis 14 Tagen eine „unendliche Vielzahl von Kontakten“ zu anderen Menschen. Laut Laumann hatten sie – bereits ansteckend – noch während der Karnevalszeit am gesellschaftlichen Leben teilgenommen. Pusch sagte am Mittwoch in Düsseldorf, es gehe jetzt darum, die „Infektionsketten zu unterbrechen“.

Die rund 300 Besucher der Karnevalsveranstaltung wurden aufgerufen, sich bei den Behörden zu melden. Alle Besucher und ihre Familien müssten für 14 Tage in häusliche Quarantäne gehen, teilte das NRW-Gesundheitsministerium in der Nacht zum Donnerstag mit.

„Wir können nicht garantieren, dass wir die Infektionsketten gekappt kriegen“

Nordrhein-Westfalen hat als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus Schulen und Kindergärten geschlossen. Allerdings räumte selbst NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ein, dass der Erfolg dieser Maßnahme fraglich sei.

Quelle: WELT / Matthias Heinrich

Am Mittwochabend meldete der Kreis Heinsberg, dass drei weitere Kontaktpersonen des Ehepaars sich infiziert hätten. „Alle zeigen Grippesymptome und sind derzeit zuhause“, hieß es in der Mitteilung. Eine stationäre Behandlung im Krankenhaus sei nach jetzigem Stand nicht erforderlich.

Dabei handele es sich unter anderem um eine Mitarbeiterin des schwer erkrankten 47-Jährigen und deren Lebensgefährten. Zudem sei auch bei einem Arzt nach Angaben der Stadt Mönchengladbach das Virus nachgewiesen worden. Der Arzt sei in einem Krankenhaus in Mönchengladbach tätig.

Nach bisherigen Erkenntnissen habe der Mediziner eine Karnevalsveranstaltung im Kreis Heinsberg besucht, auf der auch Kontaktpersonen des schwer erkrankten Mannes aus Gangelt anwesend gewesen sein sollen. Er hatte Kontakt zu zwölf Patienten. Wie viele Mitarbeiter mit ihm Kontakt hatten, werde derzeit noch ermittelt, sagte ein Kliniksprecher am Donnerstag auf Anfrage. Sie würden dann auf das Virus getestet und unter häusliche Quarantäne gestellt.

Noch in der vergangenen Woche war der schwer Erkrankte, mit dem die drei neu Infizierten Kontakt hatten, in der Kölner Uniklinik behandelt worden. Nachdem das Gesundheitsamt am Dienstagabend darüber informiert worden sei, dass bei dem Mann das Coronavirus festgestellt worden sei, habe man ermittelt, wer mit dem Patienten in Kontakt gekommen sei. Bei mehr als 40 Menschen ist bei einem Test der Virus nicht nachgewiesen worden. Bis zur endgültigen Entwarnung müsse wegen der theoretischen Inkubationszeit jedoch das Ende der zweiwöchigen Isolation abgewartet werden, teilte die Stadt in der Nacht auf Donnerstag mit.

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Der erkrankte Mann aus NRW hatte laut Pusch Kontakt mit einem Bekannten, der sich geschäftlich in letzter Zeit in China aufgehalten habe. Das meldete die „Aachener Zeitung“. Ob sich dieser Mann auch in Behandlung begeben habe, konnte Pusch zunächst nicht sagen.

In Rheinland-Pfalz wurde das Virus bei einem Soldaten nachgewiesen. Es handele sich um einen 41-jährigen Soldaten der Flugbereitschaft am Militärflughafen Köln-Wahn, der seit Mittwoch im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt werde, teilte die Bundeswehr mit. Er habe grippeähnliche Symptome, sei aber „in einem gutem Zustand“. In den Nachbarbundesländern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen waren zuvor erstmals Infektionen mit dem neuartigen Virus nachgewiesen worden.

Der Soldat hatte laut der Bundeswehr Kontakt zu dem schwer Erkrankten oder dessen Frau aus Gangelt im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg beim dortigen Karneval. „Nur weil er hörte, dass sein Bekannter in der Uniklinik in Düsseldorf behandelt wird, hat er sich gemeldet“, sagte Oberstarzt Thomas Harbaum. Zuvor habe der 41-Jährige an eine normale Grippe geglaubt. Nun werde versucht, seine Kontaktpersonen ausfindig zu machen, um sie „wegen häuslicher Absonderung“ zu informieren. Aus Sicherheitsgründen wurde am Mittwoch der Militärflughafen Köln-Wahn vorübergehend geschlossen.

Auf diese Symptome sollten Sie jetzt achten

In den Laboren geht es derzeit Schlag auf Schlag. Ein Schnelltest nach dem anderen. Wer hat das Coronavirus, wer ist positiv, wer negativ, wie groß ist die Gefahr für die deutsche Bevölkerung? Auf diese Symptome sollten Sie jetzt achten.

Quelle: WELT / Nadine Mierdorf

Kurz vor Bekanntwerden neuer Fälle am Mittwochnachmittag in Baden-Württemberg hatte der dortige Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) Einzelheiten zum „Patienten Null“, einem 25-jährigen Mann aus Göppingen, bekanntgegeben. Der Fall war am Dienstagabend bekannt geworden.

Nach Angaben Luchas hatte der junge Mann gemeinsam mit einer Freundin eine Bekannte in Mailand besucht. Zwei Tage nach den ersten Symptomen meldete er sich beim Gesundheitsamt. Noch am selben Tag sei ein Abstrich im Landesgesundheitsamt (LGA) untersucht und der Patient in eine Klinik gebracht worden, sagte Stefan Brockmann, der Leiter des LGA-Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz. Dort werde der Patient isoliert behandelt. Es gehe ihm aber gut, sein Zustand sei stabil.

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Am Mittwochnachmittag wurde bekannt, dass einer der beiden mit dem Coronavirus infizierten Patienten in Tübingen als Oberarzt in der Pathologie des Universitätsklinikums beschäftigt ist. ist Der 60-Jährige soll seit dem Wochenende auch Kontakt zu anderen Medizinern gehabt haben – diese Kontakte seien vollständig erfasst, teilte das Klinikum am Mittwoch in Tübingen mit. Es seien ein Dutzend Oberärzte getestet und „aus der Krankenversorgung rausgenommen worden“. Sie seien unter Beobachtung.

Auch die 24 Jahre alte Tochter des Mannes ist mit dem Virus infiziert und wird isoliert behandelt. Sie hatte den ersten baden-württembergischen Patienten, einen 25-Jährigen aus dem Kreis Göppingen, nach Mailand begleitet. In Norditalien gibt es derzeit besonders viele infizierte Kranke.

Am Mittwochabend schließlich wurde eine vierte Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg bekannt. Der 32-jährige Betroffene aus dem Landkreis Rottweil sei aus dem Risikogebiet in Italien eingereist und habe keine Verbindungen zu den bislang gemeldeten drei Patienten im Südwesten, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch in Stuttgart mit. Der Mann habe sich nach seiner Rückkehr aus dem italienischen Codogno wegen der typischen grippeähnlichen Symptome beim örtlichen Gesundheitsamt gemeldet. Am frühen Mittwochabend bestätigte sich den Angaben zufolge der Verdacht.

Der Mann werde nun in einem Krankenhaus betreut und isoliert von anderen Patienten behandelt. Seine Ehefrau, die mit ihm gereist war, und sein Kind sind laut Ministerium negativ getestet worden. Sie blieben in „häuslicher Absonderung“, hieß es in der Mitteilung.

In Deutschland waren zuvor insgesamt 16 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden, die meisten dieser Patienten wurden inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen. 14 der Fälle traten in Bayern auf. Bei den anderen beiden Fällen handelte es sich um China-Rückkehrer, die von der Bundesregierung ausgeflogen worden waren. Sie wurden in der Uniklinik in Frankfurt am Main behandelt und Mitte Februar entlassen.

Welche Maßnahmen werden ergriffen?

„Die zuständigen Behörden gehen den Fällen nun mit Hochdruck nach, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus so gut es geht zu verhindern“, erklärte Laumann. Es sei nicht auszuschließen, dass es weitere Fälle im Land geben könne. „Aber unser Gesundheitswesen ist für solche Erkrankungen gut vorbereitet und aufgestellt.“  Er sieht derzeit keine Veranlassung, wegen des Ausbruchs in dem Bundesland Ortschaften abzuriegeln, sagte er im ZDF.

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Sowohl in Baden-Württemberg als auch in NRW arbeiteten die Behörden unter Hochdruck daran, sämtliche Kontaktpersonen der Coronavirus-Patienten zu ermitteln, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern.

Der Gangelter Karnevalsverein hat nach eigenen Angaben die Namen seiner Mitglieder dem zuständigen Kreis Heinsberg gemeldet. „Wir haben dem Kreis unsere Mitgliederlisten übermittelt und jegliche Unterstützung angeboten“, sagte der Präsident des Karnevalsvereins „Langbröker Dicke Flaa“, Wilfried Gossen, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Mehrere Hundert Menschen stehen nun unter häuslicher Quarantäne. Die Leute dürften 14 Tage lang ihre Wohnungen nicht verlassen und müssten sich von Freunden, Verwandten oder Nachbarn mit Lebensmitteln versorgen lassen, die dann die Einkäufe vor der Haustür abstellten. Das funktioniere sehr gut. Außerdem müssten die Menschen in Quarantäne nach Vorgaben des Gesundheitsamtes eine Art Protokoll zu ihrem Gesundheitszustand erstellen.

In Mönchengladbach läuft am Krankenhaus Maria Hilf die Suche nach Menschen, die Kontakt zu dem mit dem Coronavirus infizierten Arzt hatten.

Der Kreis Heinsberg habe einen Krisenstab einberufen, der bereits erste Maßnahmen ergriffen habe. So bleiben die Schulen und Kindergärten im Kreisgebiet bis Montag geschlossen, in der Kreisverwaltung soll es keinen Publikumsverkehr geben.

Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) mahnte zur Besonnenheit. „Baden-Württemberg hat sich schon früh auf diesen Fall eingestellt. Alle beteiligten Stellen arbeiten eng und intensiv zusammen.“ Lucha wollte seinen Urlaub abbrechen und am Mittwoch die Presse informieren.

Vom Robert Koch-Institut (RKI) hieß es, Ziel in Deutschland sei es, eine Erkrankungswelle hinauszuzögern, um zu vermeiden, dass die Covid-19- und die derzeitige Grippewelle zusammenfallen.

Eine Sprecherin von DB Regio NRW sagte der Deutschen Presse-Agentur am frühen Mittwochmorgen, man sei „im ständigen Austausch“ mit den Behörden. Zu den möglichen Maßnahmen gegen eine Ausbreitung könne auch eine Einschränkung des öffentlichen Nahverkehrs gehören.

Sollten Behörden die Schließung eines Betriebs aufgrund des Coronavirus veranlassen, dann sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, den Beschäftigten weiterhin Lohn zu zahlen. Dies gilt “wenn die Arbeitnehmer arbeitsfähig und arbeitsbereit sind, aber der Arbeitgeber sie aus Gründen nicht beschäftigen kann, die in seiner betrieblichen Sphäre liegen”. Das bestätigte das Bundesarbeitsministerium (BMAS) auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland. Die ausgefallenen Arbeitszeiten müssten grundsätzlich nicht nachgearbeitet werden, sagte ein Sprecher.

Wenn Kindergärten oder Schulen als Vorsichtsmaßnahme gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus geschlossen bleiben, können Arbeitnehmer notfalls für die Kinderbetreuung daheim bleiben. Ob sie in dieser Zeit aber auch weiter ihr Gehalt bekommen, hängt davon ab, ob wirklich keine andere Betreuung möglich war, erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Köln.

In weiten Teilen der Welt werden nicht mehr nur die Daten von landenden Fluggästen aus China in Deutschland erfasst. Auch ankommende Fluggäste aus Südkorea, Japan, dem Iran und Italien müssten nun ihre Daten abgeben, sagte Jens Spahn am Donnerstag in Berlin. Dies habe ein gemeinsamer Krisenstab von Gesundheits- und Innenministerium entschieden. Entsprechende Aussteigerkarten sollen sicherstellen, dass alle Reisenden schnell kontaktiert werden können, wenn sich herausstellt, dass ein Fluggast infiziert ist.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, solche Aussteigerkarten sollten auch im grenzüberschreitenden Zug- und Busverkehr ausgefüllt werden. Hier hoffe er auf eine Selbstverpflichtung der Transportunternehmen. Im Schiffsverkehr werde dies angeordnet. Für das Unterbrechen der Infektionsketten sei so ein Schritt unverzichtbar.

Der eingerichtete Krisenstab der Bundesregierung solle Freitag eine Empfehlung geben, ob Messen wie die Internationale Tourismusbörse ITB abgesagt werden sollten. Es müsse abgewogen werden zwischen Gesundheitsschutz und wirtschaftlichen Interessen.

Im Übrigen würden Asylbewerber auf das neue Coronavirus getestet, sagte Seehofer. Denn die meisten würden über vorbelastete Länder wie den Iran, den Irak oder Afghanistan einreisen. An diesem Freitag wolle sich der Krisenstab mit dem Umgang mit Großveranstaltungen befassen.

Jens Spahn hat sich mit Vertretern der Ärzteschaft und Apothekern in Verbindung gesetzt. Er betonte, es sollten lieber zu viele Tests als zu wenige Tests durchgeführt werden. Die Behandlung von Infizierten erfordere keine Hochsicherheitsisoliereinrichtungen. Zur Behandlung des Virus sei nach bisherigen Erkenntnissen die reguläre Intensivstation und die reguläre Isolierung ausreichend, und hier gebe es einige tausend Betten. Im übrigen sei es jederzeit möglich, weitere provisorische Isoliereinheiten einzurichten.

Wie schätzen Experten und Politiker die Lage ein?

Die Krankenhausgesellschaft sieht im Fall eines größeren Coronavirus-Ausbruchs in Deutschland eine mögliche Erkrankung des Personals als größte Herausforderung. Die Kliniken seien grundsätzlich gut gerüstet und auf eine Lage wie bei Grippewellen eingestellt, sagte Landesverbandsgeschäftsführer Matthias Einwag. Auch auf eine Isolation von Kranken seien sie vorbereitet. „Aber da es anders als bei der Grippe keine Impfung gegen das Virus gibt, bekommen wir ein Problem, wenn Ärzte und Schwestern erkranken.“ Dann werde auch der Mangel an Fachkräften noch stärker spürbar werden.

Angesichts der Ausbreitung in Europa und Deutschland spricht die Bundesregierung von einer „neuen Situation“. Das Virus sei deutlich nähergerückt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Deutschland „am Beginn einer Coronavirus-Epidemie“. Er habe die Gesundheitsminister der Länder in einer Telefonkonferenz aufgefordert, ihre Pandemiepläne „zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten“, sagte Spahn am Mittwoch in Berlin. „Die Lage hat sich in den letzten Stunden geändert, das muss man leider sagen“, fügte der Minister hinzu. Noch sei keine Pandemie ausgebrochen – „aber ich finde es wichtig, dass wir uns auf diese Situation vorbereiten“.

Bundesinnenminister Horst Seehofer sieht „die Lage deutlich verschärft“. Seehofer betonte, die Regierung werde alles „Menschenmögliche“ zum Schutz der Bevölkerung tun. Eine Garantie dafür gebe es aber nicht.

Nach den bisher bekannten Zahlen ist das Virus laut Robert Koch-Institut (RKI) tödlicher als die Grippe. Wie viel höher die Sterberate ausfalle, werde man nach dem Ende der Epidemie sehen, sagte Institutspräsident Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. Er sprach von einem schweren Krankheitsform: 80 Prozent der Infizierten hätte nur milde Symptome, bei circa 15 Prozent jedoch würde die Infektion zu einem schweren Krankheitsverlauf führen. Bei 1-2 Prozent der Infizierten führe die Krankheit zum Tod.

Eine Ansteckung über Oberflächen gilt weiter als unwahrscheinlich. Das gilt für Lebensmittel ebenso wie für Spielzeug oder andere Waren. Obst aus Norditalien zum Beispiel könne daher weiter ohne Bedenken gekauft und verzehrt werden, sagte Prof. Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts am Donnerstag in Berlin.

Nach Einschätzung von Virologen ist eine Epidemie in Deutschland jedoch unwahrscheinlich. Es sei davon auszugehen gewesen, dass es weitere Fälle in Deutschland geben werde, sagte der Virologe Stephan Ludwig von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Es ist im Moment allerdings noch nicht die Gefahr einer großen Epidemie gegeben.“

Mit Blick auf eine Ausbreitung des Virus sagte Ludwig: „Wichtig wird es sein, möglichst frühzeitig Infektionen zu erkennen und die Infizierten zu isolieren und zu behandeln.“

Die deutschen Kommunen warnen vor Panik. „Deutschland ist nicht erst seit Bekanntwerden des neuen Virus sehr gut auf einen möglichen Ausbruch von Pandemien vorbereitet“, sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Weltweit hat sich die Corona-Epidemie inzwischen in fast 30 Ländern ausgebreitet, 80.000 Infektionen sind bekannt. Mehr als 2700 Menschen sind daran gestorben – die meisten von ihnen in China, dem Ursprung der Epidemie.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sieht den Kampf gegen das neue Coronavirus als europäische Aufgabe: „Die Fälle machen nicht an der Grenze halt“, sagte Laschet in der Online-Sendung „BILD Live“. Die Situation müsse man nun „europäisch gemeinsam lösen“, so Laschet.

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Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums sagte: „Wenn es erforderlich ist, können wichtige Grundrechte wie Freiheit der Person, Versammlungsfreiheit oder Unverletzlichkeit der Wohnung sowie das Recht auf körperliche Unversehrtheit eingeschränkt werden.“

Italien kämpft gegenwärtig gegen den größten Infektionsherd in Europa. Dort stieg die Zahl der Todesopfer nach Behördenangaben am Mittwoch auf zwölf, die Zahl der Infizierten auf 374.

Trotz dieser Entwicklung beschlossen mehrere europäische Gesundheitsminister bei einem Krisentreffen in Rom, die Grenzen zu Italien vorerst offen zu lassen. Dies teilte der italienische Innenminister Roberto Speranza nach dem Gespräch mit seinen Kollegen aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Kroatien und der Schweiz in Rom mit. Eine Schließung der Grenzen „wäre ein Fehler und unverhältnismäßig“.

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Spahn sagte nach dem Treffen: „Wir nehmen die Situation sehr, sehr ernst.“ Bei den nun in Europa aufgetretenen Fällen sei „nicht mehr jede Infektionskette nachvollziehbar“. „Das heißt, wir haben eine neue Lage, mit der wir umgehen müssen“, sagte Spahn weiter. Als er sich in Rom äußerte, waren die neuen Infektionsfälle in Deutschland offiziell noch nicht bekannt.

„Das Coronavirus stellt einen Schlag ins Kontor dar“

In chinesischen Häfen stockt die Beladung von Containerschiffen. Kranführer und Hafenarbeiter fehlen. Zudem wurde in den dortigen Fabriken kaum noch produziert. Die Märkte reagieren immer fiebriger.

Quelle: WELT

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2020-02-27 13:20:00Z
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