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Corona breitet sich in Deutschland weiter aus: Gesundheitsminister Spahn lässt mit einem Satz aufhorchen. Was kommt auf uns zu?
Update vom 27. Februar, 9.41 Uhr: Auch Virologen warnen mittlerweile eindringlich vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe an der Universität Hamburg sieht es als unwahrscheinlich an, dass die Ausbreitung des Virus in Deutschland noch zu stoppen ist. Gegenüber Bild.de (hinter der Bezahlschranke) bestätigte auch Prof. Rolf Hilgenfeld, Direktor des Instituts für Biochemie der Uni Lübeck diese Einschätzung. Aktuell sei, so Schmidt-Chanasit, nur die Spitze des Eisbergs sichtbar, weil wahrscheinlich viele Menschen das Virus in sich tragen, ohne Symptome zu zeigen. Harvard-Epidemiologe Pablo Salazar meint gegenüber Zeit Online: "Wenn das Virus sehr leicht übertragen wird und das zumeist unentdeckt geschieht, können wir wahrscheinlich nicht viel tun – selbst in Ländern, die gut auf Ausbrüche vorbereitet sind."
Gerade dass Länder wie Thailand oder Kombodscha mit viel direktem Kontakt zu China wenige Infektionen nachgewiesen hätten, beunruhigt demnach Experten, wie Zeit Online weiter schreibt. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass es bereits mehr Infektionsketten gibt als bekannt. Drei Szenarien beschreibt Zeit Online: Es könnte zu einer Pandemie kommen, bei der sich 60 bis 80 Prozent der Weltbevölkerung anstecken, Hunderttausende sterben würden. Die zweite Möglichkeit: Das Virus könnte sich irgendwann totlaufen, weil mehr Menschen die Krankheit überwinden, als sich neu damit anstecken. Das dritte - und momentan wahrscheinlich realistischstes Szenario - ist für Gérard Krause, Abteilungsleiter Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, dass sich das Virus wie eine normale Grippe mit saisonalen Schwankungen verhalten wird.
Update vom 27. Februar, 6.38 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn wählte drastische Worte im Hinblick auf das Coronavirus. Deutschland stehe „am Beginn einer Coronavirus-Epidemie“, sagte er am Mittwoch in Berlin. Er rief die Bürger zu Wachsamkeit auf, warnte aber zeitgleich vor Panikmache. „Wir empfehlen der Bevölkerung, nicht hinter jedem Husten eine Coronainfektion zu vermuten“.
Spahn forderte die Bürger jedoch ausdrücklich auf, „dass Sie Ihren Hausarzt anrufen und die Behandlung abklären, wenn innerhalb von 14 Tagen nach Reisen in Gebiete, in denen Infektionen vorgekommen sind, Fieber, Husten oder Atemnot sich entwickeln - oder wenn Sie Kontakt hatten mit Personen, die in diesen Gebieten gewesen sind“. Seinen Aufruf habe Spahn am Mittwoch bei einem Krisentreffen mit Vertretern der Ärzteschaft, der Krankenhäuser, Krankenkassen, Apotheken und Pflegeverbänden abgesprochen. Man sei sich darüber einig, dass „jetzt besser einmal mehr auf das Virus getestet wird als einmal zu wenig“.
Coronavirus in Deutschland: Gesundheitsminister Spahn wählt deutliche Worte
Ursprungsmeldung vom 26. Februar
Berlin/Düsseldorf/Stuttgart - Auf verschiedenen Pressekonferenzen haben Behörden die Menschen in Deutschland am Mittwoch darauf eingeschworen, Ruhe zu bewahren. Die Lage zum Coronavirus* sei aktuell im Griff - die infizierten Personen seien isoliert, mögliche Verbreitungswege würden analysiert und Kontaktpersonen ermittelt und - gegebenenfalls - unter häusliche Quarantäne gestellt werden.
Der große Vorteil sei, dass man es nicht mit unerkannt zirkulierenden Infektionsketten zu tun habe, sondern mit Einzelfällen, deren Verbreitungswege nachvollzogen werden könnten.
Doch auch wenn Panik und Angst sicherlich keine guten Ratgeber sind, zeichnen manche Experten ein Bild, das aufhorchen lässt. So weist Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, auf drei Schwachstellen im deutschen Gesundheitssystem hin:
Die drei Schwachstellen unseres Gesundheitssystems sind die Zahl der Pflegekräfte, der Hausärzte und der Ärzte in Gesundheitsämtern. Daher sind wir ehrlicherweise für einen starken Covid Ausbruch nicht gut gerüstet. Daran ändert keine Vorbereitung etwas https://t.co/Zmoc7qHrxH
— Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) 26. Februar 2020
Die Zahl der Pflegekräfte, der Hausärzte und der Ärzte in Gesundheitsämtern sei zu gering für einen starken Ausbruch von Covid-19, wie das Coronavirus inzwischen von Experten bezeichnet wird, so Lauterbach.
Coronavirus in Deutschland: Experten streiten - Spahn wird deutlich
Mit dem Erstarken des Virus in einigen Nachbarländern sieht auch die Bundesregierung eine „neue Situation“, wie Regierungssprecher Seibert von tagesschau.de zitiert wird. Das Virus sei näher gerückt, sagte Seibert in Berlin.
„Die Corona-Epidemie ist in Deutschland angekommen“, sagte Spahn im ZDF. „Und damit müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann.“ In ZDF heute sagte er, dass es bislang noch gelungen sei, die Ausbreitungsketten zu kontrollieren. Aber: „Es kann sein, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen in eine andere Lage kommen.“
Dann könnte es völlig anders aussehen. Dass inzwischen auch demokratische Länder mit der Eindämmung des Virus stark zu kämpfen haben, hätten die Fälle in Italien gezeigt, schreibt die Zeit.
In einer Pressekonferenz am Mittwoch erklärte Spahn, dass Deutschland "am Beginn einer Coronavirus-Epidemie"* stehe. Er habe die Gesundheitsminister der Länder in einer Telefonkonferenz aufgefordert, ihre Pandemiepläne "zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten", sagte Spahn am Mittwoch in Berlin. "Die Lage hat sich in den letzten Stunden geändert, das muss man leider sagen", fügte der Minister hinzu. Noch sei keine Pandemie ausgebrochen - "aber ich finde es wichtig, dass wir uns auf diese Situation vorbereiten".
Vor dem Hintergrund der neuen Coronavirus-Fälle* in Deutschland sei "fraglich", ob die bisherige Strategie der Behörden aufgehe - also den Virus* einzugrenzen und die Infektionsketten zu unterbrechen. Es habe sich gezeigt, dass die "Infektionsketten teilweise nicht nachvollziehbar sind", sagte Spahn. "Das ist die neue Qualität." Er fügte hinzu: "Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Epidemie an Deutschland vorbeigeht, wird sich nicht ergeben."
Coronavirus: Virologe schlägt Alarm in den Tagesthemen
Alarm schlägt Alexander Kekulé, Virologe an der Uniklinik in Halle in den Tagesthemen: „Wenn wir 100, 200, 300 Fälle haben, dann sind auch die Krankenhäuser in Deutschland überfordert“. Die Hochinfektionszentren, die aktuell noch alle Patienten behandeln, hätten nur 60 Plätze insgesamt - deutschlandweit.
Für das Personal in den normalen Krankenhäusern sei es eine starke psychische Belastung, Coronavirus-Patienten zu behandeln. Für Maßnahmen wie Züge zu stoppen oder Grenzen abzuriegeln hat er kein Verständnis, weil es zu viele Verbreitungswege gebe - es gehe darum, einzelne Fälle innerhalb des Landes jetzt schnell zu erfassen und „wie eine glimmende Zigarette auszutreten, bevor sie einen Waldbrand verursachen.“
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kat
Rubriklistenbild: © dpa / Christophe Gateau
2020-02-27 12:44:00Z
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