Leipziger Pokalsieg über Wolfsburg: Rausgerutscht - DER SPIEGEL
Er hatte die Riesenchance zur Führung. Doch Wolfsburgs Wout Weghorst verlor bei seinem Elfmeter den Stand – und verschoss. Nur seinetwegen ist der VfL aber nicht gescheitert. Da war auch noch ein starker Gegner.
Wolfsburgs Wout Weghorst im Moment des Strafstoßes
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Szene des Spiels: Für einen Augenblick herrschte im Leipziger Stadion absolute Stille. Wout Weghorst lief zum Elfmeter an. Dann passierte es: Das linke Standbein verlor den Halt, mit rechts traf der Wolfsburger Stürmer zwar den Ball, aber das in einem so ungünstigen Winkel, dass er viele Meter über das Leipziger Tor flog. Weghorst schlug danach auf jene Rasenstelle ein, auf der er weggerutscht war. Der Frust musste raus.
Ergebnis: »Raus« ist das Stichwort – 0:2 (0:0) unterlag der VfL Wolfsburg bei RB Leipzig und ist damit im Viertelfinale des DFB-Pokals ausgeschieden. RB steht im Halbfinale. Hier geht es zum Spielbericht.
Die Nummer zwei im Land: Laut Bundesligatabelle sind Leipzig und Wolfsburg die beiden besten deutschen Mannschaften hinter dem FC Bayern. Was die vergangenen Wochen betrifft, kommt das hin: RB gewann zuletzt fünfmal in Folge, der VfL holte aus den vergangenen acht Spielen sieben Siege. Dass Leipzig das direkte Duell gewann, ging in Ordnung – trotz des kuriosen Weghorst-Elfmeters. RB wirkte gefestigter und auch gefährlicher. Es sei »brutal, hier zu spielen. Das muss man neidlos anerkennen«, sagte Wolfsburgs Maximilian Arnold nach dem Abpfiff in der ARD.
Die erste Hälfte: So exquisit, wie man angesichts der Formstärke beider Teams annehmen könnte, waren diese ersten 45 Minuten nicht. RB erspielte sich zwei klare Chancen durch Christopher Nkunku (12. Minute) und Justin Kluivert (18.), nutzte sie aber nicht. Auch Wolfsburg hatte zwei sehr gute Gelegenheiten, Renato Steffen kam aber nicht an RB-Torwart Péter Gulácsi vorbei (45.), und dann war da noch Weghorsts Fehlschuss. Ansonsten gab es Zweikampf um Zweikampf.
Weghorst schlägt auf den Rasen ein
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RONNY HARTMANN / AFP
Die zweite Hälfte: War die Hälfte des Alexander Sørloth. Der 25-Jährige kam nach rund einer Stunde in die Partie und prägte sie mit seinen Sturmläufen über die rechte Leipziger Seite. Bei einem Konter, der im eigenen Strafraum startete, marschierte Sørloth über den Flügel vorwärts, setzte dann Poulsen ein, der im Strafraum zum Schuss kam und traf (62.). In der Schlussphase tankte er sich gegen Anthony Brooks durch und legte den Ball für Emil Forsberg auf, kurz danach stand es 2:0 (88.). Sørloth, seit Sommer in Leipzig, hatte lange Anlaufschwierigkeiten. Nun scheint er angekommen. Schon am Wochenende waren es seine Aktionen gewesen, die RB den Sieg gegen Mönchengladbach brachten.
Flugmodus: VfL-Keeper Koen Casteels gegen Leipzigs Christopher Nkunku
Foto: Matthias Koch / imago images/Matthias Koch
Die Zwei-Meter-Mauer aus Flandern: Achtmal hintereinander hatte Wolfsburg bis zum RB-Spiel kein Tor kassiert. Das liegt an einer gut organisierten Defensive. An starken Verteidigern. Und an einem Torwart, der seit bald zehn Jahren in der Bundesliga spielt, vielen aber nicht als ein Spitzenkeeper der Liga gilt. Zu Unrecht. Was er kann, zeigte Koen Casteels auch gegen Leipzig wieder. Nach toller Flanke von Dani Olmo hechtete der 1,97-Meter-Mann Richtung zweiten Pfosten und wehrte einen Kopfball von Nkunku auf der Linie ab (12.), er stand richtig beim Versuch von Kluivert (18.), nach der Pause blockte er einen Poulsen-Schuss (52.), und selbst vor dem zweiten Treffer parierte er zunächst sensationell gegen Forsberg, ehe Hwang Hee-Chan abstaubte.
Juwel in der Abwehr: Noch vor wenigen Monaten dürfte Maxence Lacroix nur Fußballnerds ein Begriff gewesen sein. Da stand er nämlich beim französischen Zweitligisten Sochaux unter Vertrag. Seit der 20-Jährige im Sommer nach Wolfsburg gewechselt ist, ist seine Bekanntheit gewachsen. Denn Lacroix setzte sich auf Anhieb durch beim VfL, er scheint sogar zu Höherem berufen. Seine Ruhe am Ball? Bemerkenswert. Seine Pässe im Aufbau? Eine potenzielle Waffe. Und der Franzose wirkt auch sonst ziemlich dominant. Nebenmann Kevin Mbabu schrie er in der ersten Hälfte einmal zusammen, nachdem dieser unaufmerksam gewesen war. Aber: Vor Poulsens Treffer entschied er sich den Bruchteil einer Sekunde zu spät dafür, den Stürmer anzugreifen. Auch deshalb landete der von Lacroix abgefälschte Ball im Tor.
Glänzende Aussichten: Noch hat RB Leipzig keinen Titel gewonnen, aber in diesem Jahr könnte es so weit sein. Im Pokalhalbfinale wartet entweder Dortmund, Zweitligist Kiel oder der Sieger aus dem verschobenen Duell zwischen Regensburg und Bremen. Nur gegen den BVB wäre RB nicht klarer Favorit. Ach ja: In der Bundesliga fehlen den Leipzigern auch nur zwei Punkte auf Platz eins. Aber da spielen noch die Bayern mit.
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