Im nordhessischen Volkmarsen ist ein Autofahrer in einen Rosenmontagsumzug gefahren. 52 Menschen wurden dabei verletzt, 35 von ihnen befanden sich noch in stationärer Behandlung im Krankenhaus, wie die Polizei in Kassel am Dienstagmorgen mitteilte. 17 weitere Menschen wurden demnach ambulant behandelt und konnten das Krankenhaus verlassen. Laut Ermittlern sind 18 Kinder unter den Opfern.
Der Fahrer ist festgenommen worden. Bei ihm handelt es sich nach Angaben der Ermittler um einen 29 Jahre alten Deutschen, der selbst aus Volkmarsen kommt. Er wurde schnell gefasst, die Hintergründe sind allerdings zunächst unklar.
Am Abend schrieb die Polizei Nordhessen auf Twitter „aufgrund vermehrter Nachfragen“, ihr lägen „keine konkreten Hinweise auf eine anhaltende Gefährdung“ vor. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte der Sprecher der Behörde, Alexander Badle. Über den Zustand des Fahrers und zur Frage, ob dieser am Dienstag vernehmungsfähig sei, wollte Badle keine Auskunft geben.
Was wir wissen
Der Mann fuhr am Montagnachmittag gegen 14.45 Uhr mit hoher Geschwindigkeit in die Menschenmenge. Laut dem Vorsitzenden der Volkmarser Karnevalsgesellschaft, Christian Diste, hatten an dem Umzug 700 Menschen in 27 Gruppen teilgenommen.
Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt erklärte, man ermittele gegen den Fahrer wegen eines versuchten Tötungsdeliktes. Er sei noch vor Ort vorläufig festgenommen worden, aber ebenfalls verletzt, in ärztlicher Behandlung und derzeit nicht vernehmungsfähig. Zum Motiv könne man noch nichts sagen, Ermittlungen liefen „in alle Richtungen“.
Der Fahrer war nach ersten Erkenntnissen den Behörden nicht als Extremist bekannt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Montagabend aus Sicherheitskreisen. Allerdings war er der Polizei nach dpa-Informationen in der Vergangenheit durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung aufgefallen.
Der Fahrer war zum Tatzeitpunkt nicht alkoholisiert. Ob er unter Drogeneinfluss gestanden habe, stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag.
Unklar blieb zunächst auch, was es mit einer weiteren Festnahme auf sich hatte. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen soll der zweite Festgenommene hinter dem Auto gefilmt haben. Demnach war aber noch unklar, ob als Schaulustiger oder ob er eingeweiht war.
Die Polizei Nordhessen warnte am späten Montagabend zudem auf Twitter vor dem Verbreiten angeblicher Fotos des Täters. „Bei der abgebildeten Person handelt es sich definitiv nicht um den Täter. Teilen Sie keine Falschnachrichten!“, hieß es in dem Tweet. Dazu stellte sie ein Bild, auf dem mehrere Menschen zu sehen sind, die neben einem Auto stehen. Ihre Gesichter wurden unkenntlich gemacht.
Die Polizei brach nach dem Vorfall alle Fastnachtsumzüge in Hessen ab. In der Karnevalshochburg NRW dagegen ist bislang keine landesweite Absage von Karnevalsumzügen geplant. Die Kreispolizeibehörden in Nordrhein-Westfalen seien auf den Vorfall hingewiesen und gebeten worden, ihn in die jeweilige Lagebeurteilung einzubeziehen, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums am Montag. Es sei zu prüfen, ob die Sicherheitsmaßnahmen für die Umzüge erhöht werden müssten.
Was wir nicht wissen
Manches spricht dafür, dass der Mann sein Auto absichtlich in die Menge steuerte. Das hessische Innenministerium erklärte am Montag in Wiesbaden: „Aufgrund der Situation vor Ort kann ein Anschlag gegenwärtig nicht ausgeschlossen werden.“
Die Polizei dagegen wollte sich am frühen Abend noch nicht endgültig darauf festlegen. Tatsächlich wies sie einen Medienbericht zurück, wonach Behörden bereits von einem Anschlag ausgehen. Er könne nicht bestätigen, dass es sich bei dem Vorfall um Absicht gehandelt habe, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen in Kassel. Er wisse nicht, woher die Meldung komme, dass es ein Anschlag gewesen sei.
Reiner Lingner vom Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel sagte gegenüber WELT, zur Intention könne man noch keine Angaben machen. Man wisse immer noch nicht, wie es zu dem Zwischenfall gekommen sei, ob es sich um einen medizinischen Notfall, ein technisches Versagen oder Absicht gehandelt habe.
Der „Spiegel“ berichtete, aus Ermittlerkreisen habe man erfahren, dass der Mann stark alkoholisiert gewesen sein soll. Diese Berichte konnten zunächst nicht bestätigt werden. Eine Anwohnerin sagte RTL: „Ich habe ihn heute wegfahren sehen, er sah aus, als stünde er unter Drogen, und sagte: ,Bald stehe ich in der Zeitung.‘“ Die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ berichtete, andere Zeugen hätten beschrieben, wie der Fahrer zunächst Absperrungen umfahren habe, bevor er auf die Menschenmenge zugefahren sei.
Peter Beuth – „Es ist ein trauriger Tag für Volkmarsen“
Im hessischen Volkmarsen ist ein Auto in einen Rosenmontagszug gerast. Mehrere Menschen wurden verletzt. Die Polizei konnte den Fahrer des Autos festnehmen. Der hessische Innenminister Peter Beuth sprach sein Mitgefühl aus.
Quelle: WELT
Der zweite Festgenommene soll hinter dem Auto gefilmt haben. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen war aber noch unklar, ob es sich um einen Schaulustigen handelte oder ob er eingeweiht war. Er sei bereits kurz nach dem Zwischenfall von der Polizei mitgenommen worden, hieß es. Frankfurts Polizeipräsident hatte bereits gesagt, es sei noch nicht klar, ob der Festgenommene als Tatverdächtiger gelte oder ein Zeuge sei.
Angela Merkel dankt den Einsatzkräften
Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte nach Angaben der stellvertretenden Regierungssprecherin Ulrike Demmer den Verletzten des Zwischenfalls in Volkmarsen baldige Genesung gewünscht. „Meine Gedanken sind bei den Verletzten von Volkmarsen und ihren Angehörigen. Ich wünsche allen baldige und vollständige Genesung. Einen herzlichen Dank an die Polizei und alle medizinischen Einsatzkräfte“, zitierte Demmer Merkel bei Twitter.
Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach den Betroffenen ihr Mitgefühl aus. „Meine Gedanken & Gebete sind bei den Verletzten des schlimmen Vorfalls in Volkmarsen. Ich wünsche allen Verletzten eine schnelle Genesung“, schrieb Kramp-Karrenbauer bei Twitter. „Ich habe Vertrauen darin, dass die Polizei die Hintergründe schnell aufklärt. Mein Dank gilt allen Helfern vor Ort, die im Einsatz sind.“
Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte: „Ich bin schockiert über diese schlimme Tat, durch die viele unschuldige Menschen zum Teil schwer verletzt worden sind. Ich bin mit meinen Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen und Freunden und wünsche allen eine schnelle und vollständige Genesung.“
Volkmarsen ist eine Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit rund 6800 Einwohnern. Sie ist rund 30 Kilometer von Kassel entfernt.
Bereits am Sonntag hatte es nach Angaben der örtlichen Feuerwehr einen Zwischenfall bei einer Karnevalsveranstaltung in einer Halle in Volkmarsen gegeben: Wegen eines Feueralarms sei der Veranstaltungsort geräumt und der betroffene Bereich kontrolliert worden, schrieb die Feuerwehr auf Facebook.
Der Grund für den Alarm sei nicht feststellbar gewesen, anschließend sei die Veranstaltung nach einer kurzen Unterbrechung fortgesetzt worden. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt, ist unklar.
2020-02-25 09:34:00Z
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