Krisenstab trifft sich in Webasto-Zentrale
40 Personen, die Kontakt mit den infizierten Webasto-Mitarbeitern hatten, sind für den Mittwochmorgen in die Zentrale des Autozulieferers einbestellt worden. Dort sollen sie nach SZ-Informationen befragt und auf eine mögliche Erkrankung hin getestet werden. In der Webasto-Zentrale in Stockdorf im Landkreis Starnberg berät eine Art Krisenstab aus Konzernführung und Gesundheitsamt über die weiteren Schritte. Am Vormittag will sich das Gesundheitsministerium zur aktuellen Lage äußern.
Autozulieferer Webasto schließt zeitweise seine Zentrale in Stockdorf
Wegen der Coronavirus-Infektionen schließt Webasto seinen Stammsitz im oberbayerischen Stockdorf, einem Ortsteil von Gauting, bis Sonntag. Bis dahin sollen Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Webasto ist ein großer Zulieferer für die Autoindustrie mit insgesamt 13 400 Mitarbeitern an weltweit 50 Standorten. In China gibt es zwölf Standorte, einer davon in Wuhan.
Drei weitere Coronavirus-Fälle in Bayern
Wie das bayerische Gesundheitsministerium am Dienstagabend mitteilte, haben sich drei weitere Angestellte des oberbayerischen Automobilzulieferers Webasto mit dem Coronavirus infiziert. Auch diese drei Personen werden nun im Klinikum Schwabing in München isoliert und medizinisch überwacht. Laut dem Gesundheitsministerium laufen derzeit auch bei weiteren Kontaktpersonen Ansteckungstests.
Die erste in Deutschland gemeldete Coronavirus-Infektion war die eines weiteren Webasto-Mitarbeiters, die in der Nacht von Montag auf Dienstag bekannt gemacht worden war. Der Mann hatte sich offenbar im Rahmen einer Fortbildung bei einer chinesischen Kollegin angesteckt, die jedoch bereits nach China zurückgekehrt ist.
Chinesisches Frühlingsfest in Unterhaching abgesagt
Es sollte ein großes Fest der Begegnungen werden, mit einem Kulturprogramm, einem Büfett mit Köstlichkeiten aus verschiedenen Ländern und allerlei Prominenz. Doch wenige Tage vor dem interkulturellen chinesischen Frühlingsfest am Samstag in der Hachinga-Halle in Unterhaching haben die beiden Organisatorinnen Wenping Tang und Inci Ahmad alles wieder abgesagt. Grund dafür ist das Coronavirus, das zuerst in der chinesischen Region Wuhan aufgetreten war, sich von dort aus inzwischen verbreitet und derzeit die Schlagzeilen beherrscht. "Unsere Veranstaltung ist zwar ein Fest von und für Leute, die schon lange im Landkreis München leben, wir erwarten auch keine Gäste aus China", sagt Wenping Tang; dennoch hätten sie in den vergangenen Tagen viele besorgte Anrufe erreicht, begründet die Unterhachingerin die Absage.
Insbesondere habe es Nachfragen gegeben, ob nicht Personen anwesend sein könnten, die gerade von eine Reise aus Asien zurückgekehrt sind, so Wanping Tang. "Das kann ich natürlich nicht garantieren. Das kann keiner, der zu einer großen Veranstaltung einlädt, auch andere Institutionen oder die Schulen nicht." Aber spätestens seit am Montagabend der erste Corona-Fall in Bayern bekannt wurde, sei ihr klar geworden, "dass es besser ist, das Fest abzusagen oder zumindest zu verschieben" - bis sich die Lage beruhigt hat. Sie tue das schweren Herzens, denn sie habe nach der eher spontanen Party beim Debüt im vergangenen Jahr dieses Mal viel vorbereitet und Zusagen von hochkarätigen Mitwirkenden erhalten.
Webasto in Starnberg: Drei chinesische Schulungsgäste ohne Corona-Symptome
Bei dem oberbayerischen Autozulieferer Webasto, bei dem ein Mitarbeiter an dem Coronavirus erkrankt ist, sind derzeit keine Kollegen aus China mehr zu Gast. Der 33-Jährige hatte gemeinsam mit drei chinesischen Gästen und weiteren Kollegen an einer Schulung am Standort in Gauting-Stockdorf teilgenommen. Alle drei Gäste seien am 23. Januar nach China zurückgereist, sagte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag. Eine chinesische Kollegin erkrankte dann an dem Virus. Von den beiden anderen chinesischen Mitarbeitern seien bisher keine Krankheitssymptome bekannt, sagte die Sprecherin.
Der erkrankte Mitarbeiter aus Gauting habe bei der Schulung den ganzen Tag mit der später erkrankten chinesischen Kollegin in einem Raum gesessen. Ob beide Tischnachbarn waren oder sich gegenüber saßen, so dass die Ansteckungsgefahr erhöht war, konnte die Sprecherin nicht sagen.
Webasto sagte alle Reisen nach und von China für mindestens die nächsten zwei Wochen ab. Webasto stellt hauptsächlich Autodächer und Standheizungen her und hat in China mehr als zehn Standorte. Die größte Fabrik befindet sich in der Millionenmetropole Wuhan, in der die neuartige Lungenkrankheit zuerst ausbrach.
Mundschutz in einzelnen Apotheken ausverkauft
Auch wenn Mediziner ihren Einsatz in Deutschland nicht für sinnvoll halten: In Bayern sind Atemschutzmasken in einzelnen Apotheken bereits ausverkauft. Er habe Entsprechendes von Betrieben in Unterfranken und München gehört, sagte ein Sprecher des bayerischen Apothekerverbandes am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit gebe es angesichts des Coronavirus eine verstärkte Nachfrage. Zudem sei es bei einigen Großhändlern schwierig, Nachschub zu bekommen.
Am Dienstag wurde bekannt, dass der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland ein 33 Jahre alter Mann aus Kaufering im Landkreis Landsberg am Lech ist. Er liegt derzeit auf der Isolierstation des Klinikums Schwabing in München. Seine Frau und sein Kind würden derzeit im häuslichen Umfeld isoliert, sagte ein Sprecher des Landratsamts.
Auch der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels bestätigte, dass einzelne Großhändler die Nachfrage aus den Apotheken nicht bedienen könnten. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg, hält nichts von der Anwendung der Masken: "Persönlicher Schutz ist im Augenblick vollkommen unsinnig", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Sogenannte chirurgische Gesichtsmasken sind dem Experten zufolge zudem eigentlich nicht zum Schutz vor Ansteckungen gemacht, sondern sollen verhindern, dass möglicherweise infektiösen Tröpfchen aus dem Atemtrakt von Chirurgen in das Operationsgebiet gelangen. Es ergebe Sinn, zum Beispiel als Grippekranker eine Maske zum Schutz anderer Menschen zu tragen. "Aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit", sagte Salzberger.
Krippe im Kreis Landsberg am Lech bleibt offen
Die Kinderkrippe in Kaufering, in der das Kind des an dem Coronavirus erkrankten Mannes betreut wird, bleibt vorerst geöffnet. "Wir sehen derzeit keine Veranlassung dazu, die Krippe zu schließen", sagte ein Sprecher des Landratsamts Landsberg am Dienstag. "Weder die Frau noch das Kind des Patienten sind bisher erkrankt."
Die Eltern der betroffenen Einrichtung würden nun informiert, sagte der Sprecher. Ihre Kinder könnten diese aber weiter besuchen.
Behörden wollen weitere Maßnahmen einleiten
Die Behörden wollen nun nach und nach weitere Maßnahmen in Bayern einleiten. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) schaltete am Dienstag eine spezielle Hotline frei. Sie ist unter der Telefonnummer 09131/6808-5101 zu erreichen. Dort beantworten freie Mitarbeiter des LGL Fragen von Bürgerinnen und Bürgern oder auch Firmen zum Umgang mit dem Coronavirus, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Auch einige Krankenkassen haben eigene Info-Telefone eingerichtet. Am Münchner Flughafen werden die Passagiere nach Angaben des Landesamtes mit Plakaten in drei Sprachen aufgefordert, bei Verdacht einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus einen Arzt aufzusuchen.
Weitere Eskalationsstufen des Alarmplans sind möglich: Derzeit werde gemeinsam mit dem Bund beraten, "ob es sinnvoll sein kann, an Flughäfen Fieber zu messen", sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Die weltgrößte Spielwarenmesse in Nürnberg erwartet angesichts des Coronavirus-Ausbruchs in diesem Jahr weniger Besucher aus China.
Einen Grund zur Panik gebe es trotz allem nicht, betonte Huml - ebenso wie ihr Amtskollege, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der Fall zeige, "dass wir gut vorbereitet sind", sagte er am Morgen. Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland bleibe auch nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts weiterhin gering.
Bayerische Unternehmen bremsen oder stoppen Chinareisen
Wegen des Coronavirus treten bayerische Unternehmen bei Dienstreisen nach China auf die Bremse. BMW, Audi, und Siemens erklärten am Dienstag auf Nachfragen, dass nur noch zwingend notwendige Dienstreisen nach China angetreten werden. Die Allianz hat Geschäftsreisen aus Singapur, dem Sitz ihrer Holding für Asien und den Pazifikraum, nach China vorübergehend gestoppt. Zudem bittet der Konzern alle seine Mitarbeiter, Reisen nach China nach Möglichkeit auszusetzen.
Der Automobilzulieferer Webasto, bei dem ein Mitarbeiter in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert ist, stoppte Dienstreisen nach China und innerhalb Chinas komplett. Bei Schaeffler gilt bereits seit vergangener Woche ein Reiseverbot nach und aus China. Von Brose hieß es am Dienstag, man nehme "von Dienstreisen nach China Abstand", Einzelfälle würden geprüft.
"Wir empfehlen den Mitarbeitern, dringend zu überlegen, ob sie wirklich aktuell nach China reisen müssen, auf Telefonkonferenzen oder virtuelle Meetings zurückzugreifen oder die Reise zu verschieben", sagte eine Siemens-Sprecherin. Der Konzern hat in der betroffenen chinesischen Stadt Wuhan einen Standort mit rund 900 Mitarbeitern. Derzeit seien dort keine Erkrankungen bei Mitarbeitern bekannt. Auch bei Brose sind keine Erkrankungen in China bekannt, der Konzern hat in Wuhan ein Joint Venture mit rund 300 Mitarbeitern.
Landesamt: Bislang keine weiteren Verdachtsfälle
Bislang hat es in Deutschland nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Dienstag keine weiteren Verdachtsfälle gegeben. "Wir haben bislang keinen finden können, der noch weitere Symptome hat", sagte LGL-Präsident Andreas Zapf in München. Das sei aber "Stand jetzt, 10.30 Uhr". Die Behörden seien derzeit damit beschäftigt, herauszufinden, mit wem die beiden Mitarbeiter der Firma Webasto Kontakt hatten. Das müsse jetzt "ganz rasch" gehen.
Die bayerischen Behörden überprüfen jedoch 40 Kontaktpersonen in der Firma und der Familie des erkrankten Webasto-Mitarbeiters. Das sagte der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch, am Dienstag in München. "Die Zahl kann noch steigen."
Rotes Kreuz mit Sondereinheiten
Sollte sich das Coronavirus in Bayern verbreiten, stehen beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) zwölf Schnelleinsatzgruppen bereit. Diese Sondereinheiten seien auf die Behandlung, Betreuung und den fachgerechten Transport von beispielsweise hochinfektiösen Patienten spezialisiert, teilte das BRK am Dienstag mit.
Bereits am Wochenende sind laut BRK standardisierte Prozeduren für den Ernstfall entwickelt worden, die allen Einsatzdiensten zur Verfügung stünden. "Im Vorgehen für die Einsatzkräfte ändert sich zunächst nichts", sagte Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Persönliche Schutzausrüstung wie Mundschutz, Atemschutzmasken und Schutzanzüge und -brillen würden ohnehin in allen Rettungsfahrzeugen mitgeführt.
Informationsplakate zu Coronavirus am Münchner Flughafen
Am Münchner Flughafen werden die Passagiere mit Plakaten in drei Sprachen aufgefordert, bei Verdacht einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus einen Arzt aufzusuchen. Das hat das Landesamt für Gesundheit veranlasst, wie ein Sprecher des Flughafens am Dienstag sagte. Auf Deutsch, Englisch und Chinesisch werden die Symptome und Vorbeugungsmaßnahmen bei Reisen in die Risikogebiete kurz beschrieben und Ansprechpartner genannt.
Entworfen wurden die Plakate vom Frankfurter Gesundheitsamt, auch am dortigen Flughafen sowie an den Berliner Flughäfen sind die Plakate aufgestellt worden. Regie bei Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen haben die Behörden. Am Münchner Flughafen gibt es eine Task Force Infektiologie, die rund um die Uhr einsatzbereit ist.
Vorsichtsmaßnahmen bei Webasto nach Coronavirus-Infektionen
Nach den Coronavirus-Infektionen zweier Mitarbeiter hat der oberbayerische Autozulieferer Webasto eine ganze Reihe von Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Sowohl Dienstreisen nach China als auch innerhalb Chinas sind vorerst ausgesetzt, wie eine Sprecherin am Dienstag sagte. In der Unternehmenszentrale in Stockdorf südwestlich von München ist den 1000 dort beschäftigten Kolleginnen und Kollegen freigestellt, zu Hause zu arbeiten.
Die Mitarbeiter wurden darüber hinaus gebeten, Termine mit externen Besuchern in Stockdorf zu verschieben oder auf Telefonkonferenzen auszuweichen. Bei Terminen außer Haus sollen Stockdorfer Kolleginnen und Kollegen ihren Ansprechpartnern anbieten, bereits ausgemachte Termine zu verschieben oder sie telefonisch abzuhalten. Beides gilt zunächst für die nächsten zwei Wochen. Webasto hatte zuvor bestätigt, dass ein Mitarbeiter in Stockdorf von einer chinesischen Kollegin aus Schanghai mit dem neuen Coronavirus angesteckt worden sei, die vergangene Woche zu Besuch war und erst nach ihrem Rückflug in China positiv getestet wurde. Beide seien stationär in ärztlicher Behandlung, es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut, erklärte Vorstandschef Holger Engelmann. Das Unternehmen prüft derzeit, mit welchen Kollegen die beiden Erkrankten in Kontakt waren. Die Betreffenden sollen dann sämtlich informiert werden.
Webasto stellt hauptsächlich Autodächer und Standheizungen her und hat in China mehr als zehn Standorte, einen davon in der Millionenmetropole Wuhan, in der die neuartige Lungenkrankheit zuerst ausgebrochen war. Die Schanghaier Mitarbeiterin war demnach nicht in Wuhan, hat dort aber Familie.
Art der Ansteckung im Coronavirus-Fall in Bayern "neu"
Der erste bestätigte Coronavirus-Fall in Deutschland liefert nach Ansicht der bayerischen Gesundheitsbehörden neue Erkenntnisse über die Ansteckungswege der Lungenkrankheit. Wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Dienstag in München mitteilte, hat sich der 33 Jahre alte Mann nach ersten Erkenntnissen bei einer Chinesin angesteckt, die zu dem Zeitpunkt noch keine Symptome der Krankheit zeigte. "Das ist neu, dass wir das so wissen", sagte der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch. Die Behörden müssten aber noch mit der Chinesin sprechen, um das zu bestätigen.
2020-01-29 08:17:00Z
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