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Getöteter Junge in Frankfurt: Verdächtiger wurde seit Tagen gesucht - tagesschau.de

Getöteter Junge in Frankfurt: Verdächtiger wurde seit Tagen gesucht - tagesschau.de

Zum Fall des getöteten Jungen in Frankfurt haben die Behörden weitere Details bekannt gegeben: Demnach wurde der Tatverdächtige in der Schweiz seit mehreren Tagen gesucht. Er soll eine Nachbarin mit dem Messer bedroht haben.

Der Tatverdächtige vom Frankfurter Hauptbahnhof war in der Schweiz bereits seit mehreren Tagen zur Festnahme ausgeschrieben. Das teilte Bundespolizeipräsident Dieter Romann auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Horst Seehofer und BKA-Präsident Holger Münch mit. Der Mann habe am vergangenen Donnerstag seine Nachbarin mit einem Messer bedroht, sie gewürgt und in ihrer Wohnung eingesperrt. Daraufhin sei er geflohen. Er sei in der Schweiz auch im Vorfeld mit entsprechenden Delikten bereits auffällig geworden.

Den Angaben zufolge wurde der Mann 1979 in Eritrea geboren, ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Im Jahr 2006 reiste er unerlaubt in die Schweiz ein und beantragte Asyl, das 2008 gewährt wurde. Seither besitze er die Niederlassungsbewilligung der Kategorie C, was gut integriert bedeute. Der Verdächtige sei einer festen Arbeit nachgegangen - "aus Sicht der Ausländer- und Asylbehörden in der Schweiz vorbildlich", so Romann. Wie Seehofer erklärte, galt der Mann als Beispiel gelungener Integration - als solches sei er sogar in Publikationen vorgestellt worden.

"Ganz offensichtlich psychische Probleme"

Zum Tathergang berichtete der Polizeipräsident, Zeugen zufolge habe der Mann sich "mit starrem Blick" hinter einem Pfeiler versteckt, bevor er die 40-jährige Mutter des Jungen auf die Gleise gestoßen habe. Die Frau habe sich retten können, daraufhin habe er den Jungen vor den einfahrenden Zug gestoßen. Danach habe er noch versucht, eine 78-jährige Frau ebenfalls auf die Gleise zu stoßen - dies sei misslungen, weil diese vorher gefallen sei. Zu einem Motiv gibt es nach bisherigem Stand noch keine Informationen.

In Zürich teilten die Schweizer Ermittler unterdessen mit, der Mann habe sich in diesem Jahr in psychiatrischer Behandlung befunden. Es hätten "keine Hinweise auf eine Radikalisierung oder ein ideologisches Motiv" vorgelegen. Zu seinem Gesundheitszustand werde weiter ermittelt. Er habe aber "ganz offensichtlich psychische Probleme" gehabt.

Seehofer: "kaltblütiger Mord"

Seehofer sagte, er sei tief bestürzt von dem "kaltblütigen Mord". Er versicherte, dass die Behörden alles tun würden, damit der mutmaßliche Täter eine gerechte Bestrafung bekomme. Der Minister wies darauf hin, dass es in den vergangenen Wochen mehrere schwerwiegende Gewaltdelikte gegeben habe, die das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung beeinträchtigten. Daher wolle er in den kommenden Monaten mit den zuständigen Stellen beraten, wie mit diesem Phänomen umgegangen werden könne.

Spitzengespräch zu Sicherheit an Bahnhöfen

Konkret kündigte Seehofer an, dass man nun überlegen werde, wie man die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen wirksam verbessern könne. Dazu habe er Spitzentreffen mit dem Bundesverkehrsminister und Vertretern der Deutschen Bahn anberaumt. Es gebe in Deutschland 5600 Bahnhöfe völlig unterschiedlicher Struktur, weswegen die Aufgabe sehr komplex sei. "Wir brauchen dringend mehr Polizeipräsenz, auch die Bundespolizei braucht mehr Präsenz", so Seehofer. "Und das ist natürlich nur möglich, wenn wir die Bundespolizei personell weiter stark ausstatten." Mögliche Maßnahmen seien auch eine stärkere Überwachung durch Videokameras und Umbauten an den Bahnhöfen.

Auf Nachfrage wollte er nicht ausschließen, über das Anbringen von Schranken vor Bahnsteigen zu diskutieren - trotz der hohen Kosten. "Wenn es um Menschenleben geht, gefällt mir das Argument mit dem Geld überhaupt nicht", sagte er.

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2019-07-30 14:14:00Z
https://www.tagesschau.de/inland/frankfurt-seehofer-101.html

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